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Zum Gedenken an Dr. Wilhelmine Pucher (1919-2009)
Dr. Wilhelmine Pucher

Dr. Wilhelmine Pucher

Heute ist ein Tag für tiefe Gefühle aber ohne Traurigkeit. Heute Morgen am 19. März 2009 verstarb meine Mutter friedlich nach nur wenigen Tagen im Spital. Mit Unterstützung spazierte sie noch gestern herum um zu beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehörte. Sie starb wie eine Eiche … im Stehen. Ich erinnere mich nun, dass als ich am morgen zum Spital fuhr eine Schicht frischer, weisser Schnee – sehr selten zu dieser Jahreszeit – die Bäume, Wiesen und Häuser bedeckte, wie um die respektvolle Stille für ihre Ehrenwache zu sichern.

Meine Mutter hatte ein volles Leben mit allen Höhen und Tiefen. Sie war eine gelernte Schneiderin aber wurde noch vor dem Krieg eine Krankenschwester.  Ihr Leben war jedoch  auf Ihre sportliche Karriere als Turmspringerin fokussiert. Sie war mehrfache österreichische Meisterin und nahm an den Olympischen Spielen in München teil. Ihr erster Eheman starb früh im zweiten Weltkrieg und sie mußte sich mit ihrer Tochter alleine durchschlagen. Sie heiratete nach dem Krieg wieder und hatte eine weitere Tochter und drei Söhne, ich der Älteste. Sie hatte sich im Spital mit Tuberkulose infiziert, und obwohl ein Teil ihrer Lunge entfernt wurde konnte sie diese erst während der Schwangerschaft mit mir ausheilen. Nach dem Krieg maturierte sie in der Abendschule um Medizin zu studieren und arbeitete dann als Anästhesist bis zu Ihrer Pension. Ich erinnere mich, dass Ihre hohen moralischen Ansprüche immer gut für Aufruhr im Spital waren, wenn sie sich weigerte an Operationen teilzunehmen die aus Ihrer Sicht nicht im Sinne des Patienten waren.

Sie sagte mir oft, dass der härteste Schlag ihres Lebens der Unfalltod ihrer zweiten Tochter Gabriele war. Viel härter als wie sie mit 45 mit Gebärmutterkrebs diagnostiziert wurde und ums Überleben kämpfte.  Sie hat uns nie mit ihrer Krankheit belastet da wir Kinder davon nichts wissen durften. Vor dem Tod meines Vaters vor 17 Jahren Pflegte sie ihn liebevoll für 7. Danach setzte sie sich nicht zur Ruhe, sondern war im Campingbus mit Ihren Reisegefährten von Gibraltar bis zum Nordkap aber auch bis Istanbul unterwegs. Ich dachte immer, dass sie am Steuer ihres Wohnmobils sterben würde. Sie war gesundheitlich recht robust und hörte erst letzten Sommer zum Autofahren auf, sehr zu ihrem Leidwesen aber unserer Erleichterung.

Für mich war sie immer eine Löwin die gewillt war für Ihre Familie zu kämpfen ohne sich aufzugeben. Sie war aber kein häuslicher Mensch und fand Hausarbeit als Zeitverschwendung. Sie lebte ein Leben des fröhlichen Chaos.

Im Lichte allen dessen wie könnte man traurig sein? Ja, wir werden sie sehr vermissen, aber unsere Trauer ist unsere Arbeit die nicht ihr Leben belastet. Sie hat so voll gelebt wie das wenige tun und war in vielen Aspekten ein Vorbild. Sie hat unser Leben reicher gemacht und viele Menschen so positiv berührt, dass wir Ihr alle ein respektvolles und liebendes Andenken bewahren werden. Bitte, es sind daher keine Kondolenzen angebracht, eher ein tanzendes New Orleans Jazz Begräbnis. Folgen wir Ihrem Beispiel und zelebrieren wir das Leben als ein wunderschönes Geschenk, bis und über den Tag unseres Todes hinaus.

Liebe Mutter (die wir immer Willi nennen durften), wir lieben Dich sehr!

Dein Sohn Max, im Namen meiner Brüder Albert und Michael und der großen Familie die Deine ist!

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